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Der
Hiddenseeschmuck - Teil des norwegischen Königsschmucks?
Am Ende des
vorletzten Jahrtausends, also zu der Zeit, als der Goldschmuck
von Hiddensee gefertigt worden ist (ca. im Jahre 970), war
Olaf I. Tryggvason König von Norwegen. (Er war der erste
christliche König Norwegens. Seine Herrschaft endete am 9.
September 1000 durch seine Niederlage in der Seeschlacht von Svoldr
> mehr zu dieser Seeschlacht
)
Die Quellenlage
lässt im Zusammenhang mit Olaf die Spekulation (!) zu, dass
es sich bei dem auf oder bei Hiddensee gefundenen Schmuck um die
Mitgift (bzw. einen Teil davon) von Tyra Haraldsdatter
handeln könnte: Sie war die Tochter von Harald Blauzahn und
die erste Ehefrau des Slawenkönigs Boleslaw Chrobry
(zunächst Herzog und ab 1000 erster König von Polen). Und
zur Zeit der Seeschlacht war sie die Königin von Norwegen,
denn ihr Ehemann war zu dem Zeitpunkt eben jener Olaf Tryggvason,
der König von Norwegen und Verlierer der Seeschlacht von
Svoldr.
Es gibt Quellen,
nach denen der norwegische König nach Pommern gefahren war,
um mit Boleslaw Chrobry über die Herausgabe der Mitgift von
Tyra zu verhandeln.
Jene war nämlich
wohl nur sehr kurze Zeit mit Boleslaw verheiratet gewesen: Nach
nur einer Woche soll sie abgehauen sein. Evtl. ertrug die Wikingerfrau
den christlichen Firlefanz am Hofe nicht, denn Boleslaw war ein
eifriger Vorreiter und Verbreiter des Christentums in Polen. (Wie
wir heute noch erkennen können, war er sehr erfolgreich .
. .)
Tyras Bindung
an Boleslaw wird sowieso nicht sehr innig gewesen sein, denn die
ganze Heirat war wohl nur aus diplomatischen Gründen erfolgt
(auch das kennen wir ja aus der heutigen Zeit).
Was auch immer
der Grund für ihre Flucht gewesen sein mag: sie scheint ihre
Mitgift nicht mitgenommen zu haben. Wir wissen nicht, woraus diese
Mitgift bestand, aber ein königlicher Schmuck wäre durchaus
vorstellbar.
In Norwegen
angekommen, hat sie dann Olav Tryggvason geheiratet. Ein Jahr
später versprach Olav, zu Boleslav nach Pommern zu fahren, um
die Herausgabe des Eigentums Tyras zu verlangen.
Die Fahrt
des Norwegers nach Pommern gilt als historisch gesichert. Nicht
belegt ist, ob es ein Ziel von Olaf war, den Schmuck wieder zurück
nach Norwegen zu holen. Das ist möglich, aber nicht sicher.
Wer aber,
wenn nicht Olaf Tryggvason, wäre besser geeignet gewesen,
den Königsschmuck zurück nach Norwegen zu holen? Olaf
und Boleslaw waren nicht nur verwandt (das waren sie ja eigentlich
alle miteinander, die sich da so eifrig die Köpfe eingeschlagen
haben), sondern beide waren als geradezu fanatische Verfechter
des Christentums freundschaftlich miteinander verbunden. Der Norwegerkönig
war also geradezu dazu prädestiniert, den wertvollen Schmuck
mit seiner hohen symbolischen Bedeutung auf dem Verhandlungswege
wieder nach Norwegen zu holen. Und er hatte ja auch ein persönliches
Interesse und eine persönliche Rechtfertigung gegenüber
dem Slawen: Die "Ex" des Slawen war jetzt immerhin Olafs
Gemahlin.
Auf der Rückfahrt
von dieser Reise ist Olaf Tryggvason bei Svoldr von seinen
Feinden (dem dänischen König Sven Gabelbart (Svend Tveskæg,
nebenbei angemerkt übrigens der Bruder von Tyra Haraldsdatter
und dadurch ein Schwager von Olaf Tryggvason), dem schwedischen
König Olof Skötkonung und dem norwegischen Jarl Erik Hakonsson)
angegriffen und besiegt worden.
Die Geschichtsschreibung
hat den Ort Svoldr (auch Svolder und Svolderoie) bisher nicht
identifizieren können (s. dazu unsere Ausführungen
über die Seeschlacht von Svoldr). Falls (!) aber
die Seeschlacht von Svoldr vor der Südspitze Hiddensses stattgefunden
haben sollte, könnte es durchaus sein, dass überlebende
Gefolgsleute von Olaf den Schmuck dort vergraben haben, um ihn
nicht in die Hände des Gegners fallen zu lassen.
Immerhin war
der Schmuck nicht in erster Linie materiell wertvoll, sondern
es wäre für den Jarl Erik Hakonsson sicherlich ein aussergewöhnicher
Triumph gewesen, den Königsschmuck in seine Hand zu bringen
und ihn vielleicht der Königin zu überbringen. Natürlich
wurde Erik Hakonsson auch ohne den Schmuck der neue Herrscher
Norwegens (1000 bis 1012) und natürlich unter der Oberherrschaft
von Sven Gabelbart . . .
Diese Deutung
ist zugegebenerweise recht spekulativ (wenn auch nicht spekulativer,
als alle anderen Theorien),
hat aber den unbedingten Vorteil, verschiedene Erzählungen
und Überlieferungen schlüssig unter einen Hut zu bringen.
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