Nirgendwo
ist sie so typisch und so schön und liebevoll zu neuem
Leben erwacht wie auf den Ostsee-Inseln Rügen
und Usedom in Mecklenburg-Vorpommern:
Die sog. Seebäder-Architektur des vorletzten Jahrhunderts
ist hier erhalten geblieben und macht viele Orte zu architektonischen
Perlen.
Überraschenderweise
muss man dafür der früheren DDR danken: Die heute
so liebevoll sanierten Häuser wurden in der DDR zwar nicht
gepflegt, aber sie blieben wenigstens stehen: Die DDR setzte
auf schnell und preiswert zu erreichtende Neubauten und Platz
gab es genug. Also liess man die alten Häuser stehen, während
im "Westen" die alte Bausubstanz abgerissen und durch
moderne Neubauten ersetzt wurde.
Heute können
wir uns freuen über tadellos sanierte Städte und Stadtteile
im Stile der Seebäder-Architektur.
Was ist
eigentlich "Seebäder-Architektur"?
Dieser Baustil
entwickelte sich aus dem Klassizismus (in dem z.B. noch das
Seebad Heiligendamm
oder das Badehaus Goor in Putbus
auf Rügen gebaut wurden), entwickelte sich aber weiter
zu einem eigenen Architekturstil, der auch Elemente der italienischen
und böhmisch-österreichischen Architektur integrierte: Luftige
Loggien, balustradenbewehrte Veranden, verzierte Balkone und
filigran gestaltete Giebelfelder sind wichtige Elemente des
neuen Stils. Es ist also eigentlich mehr eine Stil-Mischung,
die um die Wende vom 19. zum 20. Jhdt. ihre Blütezeit erreichte.
Ein unbedingtes
"Muss" dabei ist ein strahlend weisses Äusseres.
Besonders in Binz, Sellin,
Göhren und Sassnitz
auf Rügen und in den traditionellen Badeorten Usedoms
sind eine Reihe von Villen in diesem Bäderstil erhalten. Dazwischen
mischen sich etliche stilechte (und natürlich auch viele
nicht so stilechte) Neubauten.
In Binz
sieht man sie beispielsweise in der Hauptstraße und an der Strandpromenade.
In Sellin stehen sie hauptsächlich entlang der Wilhelmstraße,
die direkt gerade auf den Strand zuführt, in Göhren
an der Strandstraße und in Sassnitz in der Altstadt,
übrigens ein ganz besonderes Kleinod mit grosser Zukunft.